Ökumenisches Kirchenzentrum am CentrO Oberhausen

... Gott in der Stille

Ein Höhepunkt während der Sozialakademie war für mich unser Besuch im Centro Oberhausen: In diesem Einkaufszentrum sind täglich zigtausend Menschen. Und mitten drin steht da eine kleine Kapelle, mit zwei Türen - Eingang und Ausgang.

Die Menschen strömen durch das Einkaufszentrum, ständig in Eile. Einige kommen auch in diesen Raum der Stille, vielleicht nur fünf Minuten und - stehen vor Gott.

Der Eindruck drängt sich auf, dass in Deutschland das Konsumdenken sehr ausgeprägt ist: Die Menschen arbeiten, hetzen, kaufen. Der Raum der Stille bietet in einer käuflichen Welt ein wenig Zeit für Gott: vielleicht nur fünf oder zehn Minuten - aber für Gott! - Mitten in diesem "Kaufland".

Dies war für mich eine interessante und wichtige Erfahrung.

Robert Heczel (Rumänien)

Teilnehmer der Sozialakademie des Sozialinstituts Kommende Dortmund 2007


Pressestimmen

Zeitungsbericht in der NRZ anlässlich der Gebetswoche
für die Einheit der Christen vom 18.01. - 25.01.2015

Im Oberhausener Kirchenzentrum sind Muslime willkommen

22.01.2015 | DER WESTEN
Im Raum der Stille im Ökumenischen Kirchenzentrum beten Christen, manchmal auch Muslime.

Muslime sind im Oberhausener Ökumenischen Kirchenzentrum weiterhin willkommen. Daran ändert der Terror von Paris nichts. Es gibt sogar Gebetsteppiche.

Im Ökumenischen Kirchenzentrum in der Neuen Mitte wird in dieser Woche für die Einheit der Christen gebetet. Doch Pater Olav Hamelijnck betont: „Wir sind offen für alle Menschen, für alle Religionen.“ Das sei auch nach den Terroranschlägen von Paris noch so. Mitarbeiter des Hauses sind überzeugt: „Terrorismus hat nichts mit Glauben zu tun.“ Terroristen seien Handlanger bösartiger Menschen, die ihre eigenen Ziele verfolgten. Deshalb seien auch Muslime weiterhin im Kirchenzentrum willkommen. Seit rund drei Jahren nutzen einige sogar den Raum der Stille für ihre Gebete.

„Ich habe extra Gebetsteppiche angeschafft“, sagt Heidemarie von Musil (72), die im Kirchenzentrum mitarbeitet. Sie erzählt, wie es dazu kam. „Ich entdeckte einen Mann, der hier draußen am Zentrum auf dem Boden kauerte.“ Sie dachte: „Der will bestimmt was anstellen.“ Sie sprach ihn an. Als er sich als betender Muslim entpuppte, bat von Musil den Mann ins Haus.

Brandanschläge
Geschockt waren Mitarbeiter der Einrichtung jetzt, als ein Muslim, der im Zentrum regelmäßig Kaffee trinkt, nach den Anschlägen in Paris fragte: „Darf ich weiter kommen?“ „Natürlich darf er das“, sagt Hamelijnck. Die Begegnung sei sogar wichtig. So hat Kirchenzentrums-Mitarbeiter Johannes Grütjen (71), viele Jahre Leiter einer Hauptschule mit 42 Nationalitäten im Duisburger Norden, dort erfahren: „Wer nichts voneinander weiß, kann den Anderen auch nicht annehmen.“

In kleinen Schritten lernten auch im Kirchenzentrum evangelische und katholische Christen, einander anzunehmen, wie von Musil erzählt. „Am Anfang war hier alles getrennt.“ Es habe evangelische und katholische Arbeitskreise und Gottesdienste gegeben. Mittlerweile arbeite man so eng zusammen, dass man auch auf Menschen anderer Religionen gut zugehen könne. „Es braucht alles seine Zeit“, sagt von Musil.

Große Zuversicht
Gerda Puppel (81), Ehrenamtliche im Kirchenzentrum, war jedenfalls voller Hoffnung, als sie nach dem Terror in Paris die Reaktion der Menschen sah. All die Leute auf den Straßen hätten sie mit großer Zuversicht erfüllt. Ganz fürchterlich findet sie nun wieder die Brandanschläge auf Kirchen in Niger, die bei Demonstrationen gegen Charlie Hebdo verübt wurden. „Überhaupt ist diese viele, oft religiös motivierte Gewalt in der Welt furchtbar“, sagt Puppel.

Hamelijnck: „Jegliche Form von Fanatismus in einer Religion hat mit der Religion an sich nichts zu tun.“ Religiös motivierte Terroranschläge seien immer auch Anschläge auf die Religion selbst. Der Pater hält ein Miteinander der Religionen auf jeden Fall für möglich. „Man muss sich darum bemühen“, sagt er. Wo verschiedene Ansichten aufeinanderträfen, gebe es immer Konflikte. Auch innerhalb einer Religion. Hamelijnck betont: „Ich bin einem Muslim, der mit mir für den Frieden betet, näher als einem katholischen Kollegen, der mit Pegida auf die Straße geht.“ Apropos Pegida : Da denken die Besucher des Kirchenzentrums, dass diese Initiative im Ruhrgebiet kaum Zulauf hat, weil hier schon lange Menschen vieler Nationalitäten zusammenleben und die Angst vor dem fremden Anderen nicht mehr so stark ist. Dennoch ist Hamelijnck von Pegida beunruhigt. „Sie treten aggressiv auf und schüren eine schlechte Stimmung“, fasst er zusammen.


Quelle: DerWesten - Bericht von Andrea Micke
http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/im-kirchenzentrum-beten-muslime-id10263755.html


WAZ 31.03.2012 Verlagssonderveröffentlichung


WAZ 31.03.2012 Verlagssonderveröffentlichung




Präses Schneider im Kirchenzentrum

Hoher Besuch mit ganz hoher Meinung
Oberhausen, 17.09.2008, JOACHIM BÄUMER (NRZ)

KIRCHE. Präses Nikolaus Schneider besuchte gestern das Ökumenische Kirchenzentrum in der Neuen Mitte. Was ihn am Ökumenischen Kirchenzentrum am meisten beeindruckt hat? Da muss Nikolaus Schneider nicht lange nachdenken: "Die Ökumenizität und das Ehrenamt." Fast einen ganzen Vormittag hatte sich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland gestern Zeit genommen, um das Kirchenzentrum und das Centro kennen zu lernen, mehr über Konzepte und Herausforderungen zu erfahren.
"Es ist wichtig, dass wir dort sind, wo auch die Menschen sind und dass wir in all dem ganzen Trubel eine Oase der Stille bieten", so das Fazit des Präses nach seinem Besuch. Es sei zu begrüßen, dass Menschen am Centro einen Ort haben, an dem sie auch willkommen sind, ohne etwas kaufen zu wollen. Mit Blick auf die hohe Akzeptanz und Besucherzahlen versprach Präses Schneider, sich nachhaltig in seiner Kirche für das Zentrum zu engagieren. Schließlich gehöre so etwas wie Platzmangel zu den "angenehmsten Problemen", die sich Kirche stellen könnte. "Diese Einrichtung verstehe ich als notwendige Ergänzung zu unserer klassischen Gemeindearbeit", so der gebürtige Duisburger Schneider. Angetan zeigte er sich auch von der vorgelebten Ökumene im Kirchenzentrum. Keiner der Helfer hätte ihm bei seiner Vorstellung gesagt, ob er denn evangelisch oder katholisch sei. "Und das ist eben die Stärke der Ökumene, dass beide Seiten ihre Stärken in das Interesse des Menschen stellen", so das Fazit des Präses, der sich vom ehrenamtlichen Engagement der Christen beider Konfessionen beeindruckt zeigte: "Die Leute bringen jede Menge Zeit ein, und sie sind verlässlich, das finde ich großartig."BIOGRAPHISCHESDer 1947 in Duisburg geborene Stahlarbeitersohn Nikolaus Schneider wirkte nach dem Theologie-Studium zunächst in seiner Geburtsstadt als Pfarrer, wechselte dann nach Moers, wo er schließlich Superintendent wurde. Im April 2003 trat er die Nachfolge von Manfred Kock als Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland an, im Januar 2005 wurde er von der Landessynode für die volle Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die Evangelische Kirche im Rheinland hat 2,9 Millionen Gemeindemitglieder und ist die zweitgrößte der 23 deutschen Landeskirchen.


Begeistert von der Oase der Stille
Oberhausen, 17.09.2008, Ilias Abawi (Text), Gerd Wallhorn (Foto) (WAZ)
Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, zeigte sich am Mittwoch voll des Lobes für das Ökumenische Kirchenzentrum Neue Mitte Oberhausen. Dieses hofft derweil auf eine Finanzspritze. Präses Nikolaus Schneider und der Superintendent des Oberhausener Kirchenkreises, Johannes Deterding (re.), vor dem Ökumenischen Kirchenzentrum.

Foto: WAZ, Gerd Wallhorn

„Da, wo die Menschen sind, muss auch die Kirche präsent sein. An einem Ort des Trubels braucht es auch eine Oase der Stille”, sagte Nikolaus Schneider bei seinem Besuch des Ökumenischen Kirchenzentrums Neue Mitte, das direkt gegenüber des Einkaufstempels Centro gelegen ist. Die Kooperation von Katholischer und Evangelischer Kirche zeige ihren Besuchern, dass diese auch dann willkommen seien, wenn sie nichts kaufen würden. Die Würde des Menschen definiere sich schließlich nicht über seine Kaufkraft. Voll des Lobes war Schneider am Mittwoch über die „tolle Kooperation” der beiden Kirchen in Oberhausen. So müsse Ökumene sein, sagte der Präses. Zwar sei das Kirchenzentrum am Platz der guten Hoffnung keine Alternative zu einer echten Stammgemeinde, doch sie binde Menschen an die Kirche und erfülle allein dadurch ihren Zweck. Seinen tiefen Respekt äußerte Schneider vor allem über die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen in dem Zentrum. Über die freundlichen Worte des Präses freuen sich die Betreiber natürlich, doch hoffen sie auch auf finanzielle Unterstützung seitens der beiden großen Kirchen. „Wir platzen hier aus allen Nähten”, sagt Helga Mondrowski, eine Sprecherin des Ökumenischen Kirchenzentrums. Die Nachfrage sei mittlerweile längst größer als das Angebot, das man gerne ausweiten würde – doch dazu fehlen die Gelder. „Das ist ein angenehmes Problem”, sagt Schneider zur WAZ. Ihm sei es lieber, die Menschen kämen in Massen zur Kirche, als wenn sie diese in großen Mengen verließen. Versprechungen konnte der Präses noch keine machen, doch man werde „sich Gedanken darüber machen”.